Herausforderungen auf dem Weg zur regionalen Entwicklung

Es wäre falsch zu behaupten, dass in Bombouaka zu wenige Anstrengungen für eine nachhaltige regionale Entwicklung unternommen würden. Die Region ist in dieser Hinsicht dynamisch und dank der Anwesenheit vieler Hilfswerke auch in der Lage, gute Projekte zu realisieren. Wenn, wie es in der Region der Savannen leider oft der Fall ist, die Projekte mangelhaft oder gar nicht realisiert werden, liegt dies zu einem grossen Teil an den vielen Schwierigkeiten, mit welchen die Bevölkerung zu kämpfen hat und die bei jeder Projektplanung berücksichtigt werden sollten:

-       Starker demographischer Druck und Abwanderung
-       fast 80% der Bevölkerung lebt in ländlicher Umgebung meist in Subsistenz, da ohne Transportmittel und Wege für entlegene Gebiete kein Zugang zu den Märkten besteht
-       hohe Nachernte-Verluste
-       sehr schwache Fruchtbarkeit der hiesigen Laterit-Böden (hoher Bedarf an Dünger!)
-       geologisch und klimatisch bedingte Gefahr der Verwitterung und Erosion, die in der Sahelzone bereits weiträumig zur Ausdehnung der Wüste geführt hat;  schwierige klimatische Bedingungen mit einer kurzen und heftigen Regenperiode und der langen und heissen Trockenzeit
-       Wassermangel (Zugang zu Trinkwasser ist regional sehr unterschiedlich – von praktisch 0% bis etwa 50% der Bevölkerung, dort jedoch sehr oft an Gemeinschaftsbrunnen bzw. Wasser-Ausgabestellen, wo das Wasser gekauft werden muss)
-       der Mangel an befahrbaren Strassen in weiten Gebieten der Region
-       die fast totale Abwesenheit eines Industriesektors mit guten Arbeitsplätzen (Ausnahme: Bierbrauerei, im Besitz der Präsidentenfamilie)
-       Mangel an Infrastrukturen für die öffentliche Gesundheit und Hygiene: nur 8.5% der Haushalte, 15% der Schulen und 25% der Gesundheitszentren besitzt geeignete Latrinen und Wasseranschlüsse!
-       Niedrigste netto-Einschulungsrate im Land: 51% auf Unter- und 17% auf Oberstufe, bei einer Wiederholungsrate von ca. 27%
-       Mangel an Lehrkräften und Schulzimmern, wegen fehlenden Mitteln für Bau, Unterhalt und Lohnzahlungen 
-       Die Alphabetisierungsrate beträgt immer noch 52.5% bei Männern und 24% bei Frauen (gegenüber 57/40% im Landesdurchschnitt); dies behindert die Erwachsenen-Weiterbildung, (z.B. in der Landwirtschaft)
-       Mangel an Schulbauten/Klassenzimmern, Schulbüchern, Schreibmaterial usw. (durchschnittliche Klassengrösse über alle Stufen: 49 Schüler; 1 Schulbuch für 5-8 Sch.)
-       Mangel an ausgebildeten Lehrern (65% der Lehrer haben die Volksschule abgeschlossen und nur 25% haben eine Lehrerausbildung, nur 8% sind Frauen)
-       Schwache Einschulungsquoten : netto 51% auf Primar- und 17% auf Mittelschulstufe
-       Schwache Erfolgsquoten zwischen 79% auf der Unterstufe und 20% bei der Maturitätsprüfung
-       die Wiederholungsrate in den Primarschulen ist in den letzten 20 Jahren zwar um etwa 10% gefallen, beträgt  aber immer noch über 25%
-       das Verhältnis Mädchen/Jungen beträgt 0.8

Diese Liste, die noch fortgesetzt werden kann, zeigt die Problematik jeglicher Entwicklungs-bemühung in einer solch extremen Mangelwirtschaft auf. Jede Arbeit wird stets durch andere Faktoren erschwert, gebremst und manchmal sogar verunmöglicht. Dies gilt auch ohne Berücksichtigung der Schwierigkeiten, die sich auf der politischen und Verwaltungsebene ergeben können. In der Reaität Afrikas können die Regierungsbeamten manchmal durchaus eine positive Rolle spielen, und andererseits wird auf Seiten der Hilfswerke hie und da an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei geplant.

Anm.: die Zahlenangaben stammen aus staatlichen Erhebungen aus den Jahren 2006 und 2009, die im letzten Jahr z.T. aktualisiert wurden und die auf der Regierungs-Website www.stat-togo.org publiziert sind