Schaffhauser Nachrichten, 15. April 2002

«Durch das Chaos der Möglichkeiten»

Schon vor sechzig Jahren wurde Josef Gnadingers Begabung erkannt.

1942, mit 23 Jahren, konnte Josef Gnädinger erstmals an einer im Museum zu Allerheiligen organisierten Weihnachtsausstellung teilnehmen. Im Museum fanden damals, mitten im Zweiten Weltkrieg, im November und Dezember gleich zwei hintereinander folgende Serien mit Werken von meist heute noch bekannten Schaffhauser Künstlern und Künstlerinnen statt.

Die Schaffhauser Nachrichten erwähnen in zwei ausführlichen Besprechungen unter anderem Namen wie Werner Schaad, Carl Hoesch, Albert Schachenmann, Emmi Gossweiler, Ferdinand Tissi, Elsa Pletscher, François Holl oder Hermann Knecht.

Realistisch und nüchtern

"Wenn die Feuerpracht des Herbstes verglüht, wenn uns beim Anblick der dahinwelkenden Natur das wehmütige Gefühl der Hinfälligkeit beschleicht, dann erwacht in den Menschen mit doppelter Kraft die Sehnsucht nach Schönheitswerten, die den Wandel der Zeit überdauern vermögen".
So beginnt unser Kritiker seine im Ubrigen aber recht nüchternen Hinweise auf die reiche Schau, die in ihrer Grundhaltung typisch schweizerisch, nämlich durchaus gesund-realistisch sei, allem lauten Pathos abhold. Als Hauptreiz der Ausstellung bezeichnet der Rezensent die Tatsache, dass man an der Weihnachtsausstellung neben altbekannten Freunden immer wieder auf neue Talente trifft, darunter eben auch auf Josef Gnädinger, eine "unzweifelhaft grosse und freudige Überraschung", wie es anerkennend heisst.

Ursprüngliches Temperament

Wörtlich schreibt dann die Zeitung:«Ein ursprüngliches, malerisches Temperament sucht sich hier seinen Weg durch das Chaos der Möglichkeiten - eine für diesen Zeitpunkt erstaunliche Bemerkung, wenn man bedenkt, dass dieses Temperamentvolle, Impulsive und mitunter leicht Chaotische später zu einem der eigentlichen künstlerisehen (und persönlichen) Charakterzüge Gnädingers wurde.

Voll Licht und Leben

"Gnädinger ist Maler, und zwar selbst wo er zur spröden Technik des Linolschnitts greift", lesen wir weiter.
Und, "Am unmittelbarsten und am frischest en wirkt er mit seiner Winterstudie, einer Impression voll Licht und krausem Leben". In einer anderen Ausdrucksstudie mache sich «trotz der entschiedenen Handschrift allerdings eine spürbare Unsicherheit bemerkbar, vielleicht am deutlichsten in der irrationalen Lichtführung sich zeigend. Aber, so das Blatt abschliessend: "Wir zweifeln nicht daran, dass Gnädingers Malertalent auch für seinen gesteigerten Ausdruckswillen die treffenden Formmittel findet." (zer.)

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