Bauer, Maler und Entwicklungshelfer erhielt Schaffhauser Preis

Gnädinger bringt Bauern Pflüge nach Togo

sie. Schaffhausen, 28. Sept.1981

Josef Gnädinger (links im Bild) dankt Grossratspräsident Hermann Keller für den Schaffhauser Preis für Entwicklungszusammenarbeit.
Bild: A. Waldvögel

Wenn der Ramser Bauer, Maler, Holzschneider und Entwicklungshelfer Joseph (Seppel) Gnädinger, 62 Jahre, am 16. Oktober nach Togo fliegt, wird ihn nicht nur traditionsgemässdie halbe Heimatgemeinde zum Flughafen begleiten, er wird vorübergehend auch um 13 000 Franken reicher sein als bei seiner Ankunft vor ein paar Wochen: Am Montag hat ihm der Grosse Rat den Schaffhauser Preis für Entwicklungs-zusammenarbeit in der Höhe von 10 000 Franken zuerkannt. Weitere 3000 Franken steuerte die Gemeinde Ramsen bei.
Der bereits zum vierten Mal verliehene Preis geht auf eine Motion des damaligen SVP-Grossrates Fritz Gnädinger, eines Bruders des Geehrten zurück. Den Politiker störte es, dass die Schaffhauser Behörden bei Katastrophenfällen mit humanitärer Hilfe zwar relativ grosszügig sind, dass sie bis dahin aber nicht zu kontinuierlicher Entwicklungshilfe zu bewegen waren. Auf die Mitfinanzierung eines bestimmten Entwicklungshilfeprojekts mochte sich der Grosse Rat schon gar nicht einlassen. Doch stimmte er 1977 der Schaffung eines jährlich zu vergeben- den Preises für Entwicklungszusammenarbeit zu. Die mit dem Preis bedachten Personen oder Organisationen können die 10 000 Franken jedoch nicht in die eigene Tasche stecken, sie müssen sie in irgendeiner Form für Entwicklungszusammenarbeit verwenden. Zu den bisherigen Preisträgern gehörten die Schaffhauser Sektionen des Vereins Dritte Welt von Terre des hommes und ein Ärzte-Ehepaar.

Der Bruder widersetzte sich der Preisverleihung an seinen Bruder Joseph hatte sich Fritz Gnädinger, bis 1980 Präsident des Preiskuratoriums, während Jahren erfolgreich widersetzt —den Verdacht auf Vetterliwirtschaft wollte er gar nicht aufkommen lassen. Jetzt, nach dem Präsidentenwechsel, ist er jedoch sichtlich erfreut, dass Bruder Joseph für seine Schützlinge neue Pflüge und andere landwirtschaftliche Geräte anschaffen kann.
«Seppel», wie der gelernte Bauer von der Ramser Dorfbevölkerung liebevoll genannt wird, verkaufte als 46jähriger Traktor und Tiere, um nach Bombouaka (Togo) auszuwandern. Er folgte dem Ruf eines Franziskaner-Paters, der nicht mehr mit ansehen konnte, wie die Bewohner nahe der Sahelzone die Erde während der nur dreimonatigen Vegetationszeit noch immer mit kurzstieligen Hacken bearbeiteten und dabei fast verhungerten.

Pflüge dank Bilderverkauf
Gnädinger machte die einheimischen mit dem von Tieren gezogenen Pflug bekannt, mit dem mehr brachliegendes Land als vorher kultiviert werden konnte. Die einseitige Hirsenahrung wurde durch die Einführung des Gemüsebaus bereichert. Ziel von Gnädingers Entwicklungsarbeit ist es, die Landwirtschaft um Bombouaka selbsttragend und die dortigen Einwohner selbständig und frei von wirtschaftlicher Not zu machen. Den Kauf landwirtschaftlicher Geräte finanzierte er bisher aus eigener Kraft mit: Aus dem Erlös seiner Bilder und Holzschnitte. die er jeweils anlässlich seiner Heimaturlaube verkauft.