Schaffhauser Zeitung und Ramser Bote vom 23.09.14

Farbenfroher Kulturabend

Einer der bekanntesten Ramser, Joseph «Seppel» Gnädinger, wurde am Freitagabend ausgiebig gewürdigt.

 

Ramsen Der Maler, Laienmissionar und Entwicklungshelfer Joseph Gnädinger dürfte von seinem verdienten Platz im Himmel aus heruntergeschaut und geschmunzelt haben, als am Freitagabend seiner und seiner Werke gedacht wurde. Im Ilgenpark-Saal war’s, wo ziemlich genau hundert Leute aller Altersstufen – vom Knirps bis zum Zeitgenossen Gnädingers – versammelt waren, um einen überaus informativen und farbenfrohen Kulturabend der Stiftung Joseph Gnädinger zu erleben.

Mit Verspätung angekommen

Für die Informationen sorgten Barbara und Vladimir Bajc-Gnädinger, die Afrikabeauftragten der Stiftung aus Zürich, mit hervorragenden Powerpoint-Präsentationen, diverse Neffen des Geehrten sowie Eugenie Polo, ihres Zeichens Botschafterin von Togo in Genf. Sie war mit einiger Verspätung doch noch nach Ramsen gelangt, nachdem sich ihr Chauffeur gründlich verfahren hatte – und die CD-Limousine erst mal in Löhningen gestrandet war. Nicht umhergeirrt, sondern wegen der Ebola-Epidemie mit einer Einreisesperre belegt worden, waren drei Gäste aus Togo, die ebenfalls den Abend hätten bereichern sollen. Tatsächlich bereichert, und das sowohl in optischer als auch in akustischer Hinsicht, wurde der Anlass vom Chorale de la Sainte Trinité (kurz Chosatri) aus Zürich, einem Ensemble aus schwarzen Sängern sowie Instrumentalisten, die das westafrikanische Liedgut pflegen und das Ramser Publikum buchstäblich von den Sitzen riss.

Die Perkussionisten und die Vokalisten, die man übrigens engagieren kann, setzten einen ebenso folkloristischen wie mitreissenden Kontrapunkt zu den Bildern, die an diesem Abend in Worten und auf der Leinwand über Joseph Gnädinger (1919–2000) gezeichnet wurden. Auf Einladung des Franziskaners und Missionars Pater Benedikt von der Insel Werd reiste Seppel Gnädinger vor 50 Jahren erstmals nach Bombouaka in der togolesischen Sahelzone – und schlug dort gleichsam neue Wurzeln. Als Maler, als Bauer – und vor allem als Lehrer der einheimischen Bevölkerung. Als Künstler liess Gnädinger hier eine bereits äusserst erfolgreiche Malerkarriere hinter sich, die er dann allerdings mit seinen zahlreichen Afrikabildern fortsetzte. Eines der Videos des Abends zeigte beinahe lehrfilmmässig das Entstehen eines grossformatigen Bildes in Togo: Gnädinger fast schon im Spagat über der anfänglich leeren Leinwand, die im Savannensand liegt und zu einem Landschaftsbild mit der farblichen Urkraft des Ramsers erwacht. Übrigens: Auch die Ramser Gemeindepräsidentin Eveline König würdigte den berühmten «Sohn» des Dorfes und verwies stolz auf die zahlreichen Bilder, die (auch) im Gemeindehaus hängen.

Nachhaltigkeit pur

Apropos Bilder: Mehr als 500 Ölbilder und 2000 Papierarbeiten hat Seppel Gnädinger laut Neffe und Verwalter Otmar Gnädinger hinterlassen – sowie die testamentarische Verfügung, dass der Erlös aus dem Verkauf erstens dem während 17 Lebensjahren gepflegten Werk in Togo und zweitens kulturellen Belangen im Schaffhauserland zugute komme. Nachhaltigkeit pur also, denn in Bombouaka ist Monsieur Joseph nach wie vor ein verehrter Mann, dessen Werk lebt und immer mal wieder von Ramsern vor Ort bewundert wird. Der Chor aus Zürich beschloss den Abend mit Tänzen und weiteren Gesängen in verschiedenen Sprachen Westafrikas, wobei eines der letzten gesungenen Worte des Abends ein vielfaches, inbrünstiges Halleluja war. Joseph «Seppel» Gnädinger dürfte auch das gefallen haben.

Bild unten: Einladungsflyer

flyerTogo14

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