Sonntag, 1. März 2015

AUKTION im Museum Allerheiligen

Im Rahmen der Ausstellung "Josef Gnädinger - Bauer und Künstler" wurden am 1. März Werke aus dem Nachlass Joseph Gnädinger versteigert. Der beachtliche Erlös aus dieser Auktion fliesst in Afrika-Projekte der "Stiftung Joseph Gnädinger".

Dazu folgender Artikel von Daniel Jung in den Schaffhauser Nachrichten vom 27. Februar 2015:

Was die Gnädinger-Stiftung in Togo macht

Im Museum zu Allerheiligen werden am Sonntag 52 Bilder des Künstlers Joseph Gnädinger versteigert. Die Erlöse gehen an seine Stiftung, die in Nordtogo Entwicklungsarbeit leistet.

Zwischen 1965 und 1982 lebte der Ramser Bauer und Kunstmaler Joseph "Seppel" Gnädinger (191 !1--2000) in Nordtogo, wo er sich als Entwicklungshelfer betätigte. Gnädinger vermittelte den einheimischen Bauern landwirtschaftliche Techniken, etwa in Feld- und Gartenbau. Im Zentrum der katholischen Mission im Dorf Bombouaka, in dem Gnädinger sein Haus gebaut hatte, unterrichtete er auch die Katechetinnen und Katecheten, also Religionslehrkräfte, in allgemeinbildenden Fächern und der Malerei. „Die Katecheten haben eine wichtige Aufgabe, weil sie in die Dörfer hinausgehen und weitergeben, was sie gelernt haben“, sagt Vladimir Bajc-Gnädinger, der gemeinsam mit seiner Frau Barbara den Afrika-Kontakt-Ausschuss der Stiftung Joseph Gnädinger betreut.

Kontakt zu ehemaligen Schülern

Die Stiftung, die seit 2002 existiert, hat weiterhin Kontakt mit verschiedenen früheren Schülern von Gnädinger, die vom Maler oft auch porträtiert wurden. "Dank diesen ehemaligen Schülern, die unsere Werte teilen, haben wir Ansprechpartner vor Ort, denen wir vertrauen" sagt Bajc-Gnädinger. "Noch heute besteht, trotz kultureller Unterschiede, dieses gemeinsame Fundament". Nur dank diesen vom Maler selbst aufgebauten Beziehungen sei es für die kleine Organisation überhaupt möglich, selbständige Projekte in Togo durchzuführen. Zu einem grossen Teil aus ehemaligen Schülern und aus Mitarbeitern der katholischen Diözese der Region Dapaong besteht auch die siebenköpfige Kontaktgruppe vor Ort, welche die Arbeiten begleitet und jährliche Berichte in die Schweiz liefert. baumpflege2008

rechts: Der Auftakt zu einer Aufforstungsaktion, bei der insgesamt 2100 Bäume gepflanzt wurden: Die Stiftung Joseph Gnädinger engagiert sich heute unter anderem gegen die Bodenerosion im Nordtogo.

Die Stiftung verfolgt verschiedene kleinere Projekte, die den jeweiligen Bedürfnissen angepasst werden und oft auf Ideen aus Bombouaka zurückgehen. "Seppel war einfach vor Ort, hat gesehen, wo es brennt, und versucht, dort zu helfen", beschreibt Bajc-Gnädinger die pragmatische Herangehensweise von Joseph Gnädinger, welche die Stiftung auch heute noch zu eigen hat.

Trinkwassersituation verbessert

In den ersten Jahren der Stiftungsarbeit stand der Unterhalt eines Dammes im Dorf Bombouaka und von Trinkwasser-Schachtbrunnen in den umliegenden Siedlungen im Zentrum. Inzwischen hat sich die Wasserversorgung dank internationalen Anstrengungen entscheidend verbessert. "Dank einem neuen Pumpwerk, an dem der Staat und die Amerikaner beteiligt waren, ist das Wasserproblem im Dorf und in der näheren Umgebung heute mehrheitlich gelöst", sagt Bajc-Gnädinger.

Fokus auf die Ausbildung

Deshalb hat die Stiftung ihren Fokus stärker auf Ausbildungsprojekte verschoben. In den letzten Jahren hat sich die Stiftung etwa bei Vorbereitungskursen für Lebrabschluss-Prüfüngen engagiert. Aktuell ist ein Programm wichtig, das Schülern in den Sommerferien einen kleinen Verdienst durch Arbeiten zugunsten der Dorfgemeinschaften ermöglicht. „Die Schüler können etwa die Strassen putzen oder Unkraut jäten und sich so einen Zustupf verdienen, um ihr Schulgeld zu bezahlen“, sagt Bajc-Gnädinger. Auch hier arbeitet die Stiftung mit der katholischen Kirche zusammen. In den Schülerfonds der Diözese zahlt sie dafür pro Jahr etwa 5000 Franken ein.

Weiter will die Stiftung bald einer Gruppe von 14 Frauen eine Mühle zur Produktion von Tofu aus Sojabohnen beschaffen. „Es gibt im Dorf bisher nur eine solche Mühle, die von Männern betrieben wird“, sagt Bajc-Gnädinger, „Und dort werden die Frauen finanziell ausgenutzt“. 

Zudem hat sich die Stiftung in den letzten fünf Jahren auch stark für die Aufforstung engagiert: Der Nord-Togo grenzt an die trockene Sahelzone. Die Regenzeit ist kurz und heftig. Werden Gebiete zur Brennholzgewinnung abgeholzt, so droht ein rascher Verlust der dünnen Humusschicht. Deshalb unterstützt die Stiftung das Anpflanzen von jungen Bäumen und den Schutz dieser Bäume vor Tierfrass.

Keine Grossprojekte

„Wir haben schon den Rat erhalten, wir sollten doch ein grosses Projekt lancieren, damit wir die Stiftung besser präsentieren könnten“, sagt Bajc-Gnädinger. Davon habe man bisher aber abgesehen - es sei der besondere Charakter der Stiftung, dass kleine, überschaubare Projekte aus der Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort heraus entwickelt würden. Die genaue Verwendung der Mittel, die an der grossen Auktion vom Sonntag zusammenkommen, wird an der nächsten Generalversammlung der Stiftung Joseph Gnädinger im Mai detailliert festgelegt werden.