17. September bis 22. Oktober 2011

Oliver Krähenbühloliver kraehenbuel
"zwischenstopp"

Öffnungszeiten
Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr
und nach Vereinbarung 052 269 15 50

am Samstag 17. September 2011 um 15 Uhr

Einführung durch Markus Stegmann         
Kurator Museum zu Allerheiligen Schaffhausen

Oliver Krähenbühl im Kranz - PressetextOKR Ramsen2

Wenn sich ein passionierter Maler wie Oliver Krähenbühl (*1963) mit dem Phänomen der täglichen medialen Bilderflut auseinandersetzt, geschieht das auf seine ganz eigene, unverwechselbare Art.
Gegenständliche Referenzen zur sichtbaren Wirklichkeit scheinen auf in Oliver Krähenbühls aktueller Serie von Bildern. Doch ein schlüssiger visueller Zugriff auf den Bildinhalt gerät alsbald ins Stocken. Autonom gesetzte malerische Notationen – in breiten Pinselzügen als Farblasuren aufgetragen – und figurative Reminiszenzen stehen in einer spannungsvollen Beziehung.

Dadurch lassen sich Krähenbühls Bilder weder auf einer inhaltlichen noch auf einer formalen Ebene als kohärentes Ganzes lesen. Die einzelnen Bildinformationen erweisen sich als nicht kompatibel oder gar als kontrovers. So glaubt man im einen Bild („si“) eine Sofaecke zu erkennen: Im Vordergrund die grossen Kissen in sattem Rot mit summarischen Pinselstrichen gemalt. Diese Interpretation muss spätestens dann verworfen werden, wenn darüber zwei schwarze an Peru erinnernde Hüte wahrgenommen werden. Die Irritation über die Verrätselung des Bildinhalts ist durchaus Kalkül; differenzierte malerischen Texturen – wie die von Farben durchpulste grosse weisse Fläche – und eine rhythmisierte Bildstruktur mit vielfältigen Staffelungen von Rechtecken relativieren die Frage nach dem narrativen Gehalt des Bildes.

Seit seinen Anfängen als Maler hat Krähenbühl mit wenigen bildnerischen Mitteln wie Kreis, Linie und Gitter eine unverwechselbare visuelle Sprache geschaffen, die seine Bilder zwischen Figuration und Abstraktion ansiedelt. In den aktuellen Bildern hat er dieses Thema der Grenzwanderung und Offenheit weiter entwickelt. Neu ist die Kombination von abbildhaften Elementen und abstrakt-malerischen Strukturen. Mit Blick auf frühere Bilder fällt ausserdem das aufgehellte Farbspektrum auf: Orange, Gelb und helles Grün verleihen im Zusammenspiel mit den auffälligen weissen Flächen den neuen Bildern Leichtigkeit.

Die Leerstellen verzahnen sich mit der übrigen Komposition und erschliessen so räumliche Dimensionen. Gleichzeitig erinnern sie an überbelichtete Fotografien und stellen so einen Bezug zum medialen Ursprung, Pressefotos her. Dies bedeutet in diesem Fall, dass an diesen Stellen Bildinformationen fehlen. Derart entwickeln die Leerstellen eine Eigendynamik, sowohl in kompositorischer als auch in inhaltlicher Hinsicht. Anhand von ihnen untersucht Krähenbühl, welche minimalen Grundinformationen erforderlich sind, um die Lesbarkeit eines Bildes noch zu gewährleisten. Ferner fragt er nach der Beschaffenheit und Konstruktion von Erinnerung, die sich an einzelnen (visuellen) Elementen entzündet und individuelle, aber auch kollektiv geprägte Seherfahrungen aktiviert.

Januar 2012