21. April bis 30. Juni 2002

Joseph Gnädinger - Aquarelle

Museum Lindwurm, Stein am RheinHerbstwald1 copy

Sowohl in Afrika wie auch in Ramsen malte Joseph Gnädinger primär seine Umwelt, die Landschaft mit Menschen, Pflanzen und Tieren. Auf all seinen Reisen hielt er besondere Eindrücke zeichnend und malend fest.

Ein wichtiges Darstellungsmittel war ihm dabei das Aquarell, das er, sein Sujet vor Augen, im Freien malte. Natur war bei ihm Bewegung; in ihr verwurzelt, sah er sich als Teil eines grösseren, umfassenderen Ganzen. Was er auf Papier brachte, sind innere Bilder, Erschautes, Durchlebtes und Erfühltes. Seiner Vorstellung des Waldes, der Dinge oder Mitmenschen gab er zeichenhaft und in heftigem Malduktus Gestalt.

In der Ausstellung wird erstmals eine ganze Anzahl seiner "Horizonte", gebildet von Schüppel , Hofenacker und Rosenegg gezeigt. Der Rosenegg war Joseph Gnädingers Montagne Sainte - Victoire; er hielt ihn immer aufs Neue fest, ein gerundeter, bewaldeter Hügelzug, der hinter den flachen Aeckern aufsteigt und die Wolken ziehen darüber hin. Stets sah und erlebte er ihn wieder anders; er befragte sich und seine Befindlichkeit in den Roseneggbildern wie in seinen Selbstporträts. Der Rosenegg war sein Gegenüber vom Stubenfenster aus. An ihm mass er sich, liess er seine Imaginationen aus, im Wandel der Jahreszeiten, der Stimmungen und Gestimmtheiten. Er bildet den Horizont vom Haus des Künstlers aus gesehen da stossen Himmel und Erde zusammen. In der Bildvision wurde er mit den Feldern davor zur Metapher von Weite und Tiefe, zum Bild, das als Kornfeld den ganzen Sommer in sich aufgesogen hat oder als weisse Fläche die Kälte eines Winters verkörpert. Er ist die Chiffre für bewegte, goldene Fruchtbarkeit, für stürmische Gewitter oder erstarrte Leblosigkeit. Reduktion bedeutete Gnädinger Konzentration auf Gehalt und Wesen des Dargestellten. Selbst in der tiefen Behutsamkeit seiner Naturverbundenheit fühlte er sich frei, was er wahrnahm, dichtend-bildend als Vision festzuhalten, den gepflügten Acker oder einen Blick in den Himmel.

Als kreativer Mensch hat Gnädinger ein bedeutendes und grosses Werk geschaffen, aus dem er weiterhin zu uns spricht von seiner grossen Achtung gegenüber der Natur und seiner staunenden Bewunderung für alles Lebendige. Die schöpferische Kraft blieb ihm bis zu seinem Tode erhalten. Davon und noch viel mehr aus einem reichen Leben erzählen uns vielfarbig und eindrücklich seine Aquarelle.

(Frank Nievergelt)